Grete Minde

von Theodor Fontane

In »Grete Minde« begegnet der Leser einer für Fontane eher untypischen, jedoch einfühlsam und spannend geschilderten Frauenfigur. Die Halbwaise, ein melancholisches, doch stolzes und klarsichtiges Mädchen, wächst Anfang des 17.Jahrhunderts bei ihrem Bruder und dessen hartherziger Frau auf, erzwungenermaßen geduldet. Liebe erfährt sie nur vom Nachbarjungen Valtin.
Als die Demütigungen zu Hause unerträglich werden, fliehen die beiden. Nach einigen schweren Jahren stirbt Valtin. Grete kehrt, wie sie dem Geliebten auf dem Totenbett versprochen hat, mit ihrem Kind zum Bruder zurück und bittet diesen um Vergebung. Nachdem sie kalt zurückgewiesen und ihr zudem das Erbe verweigert wird, steckt sie das Vaterhaus und die ganze Stadt in Brand. Mit ihrem Kind und dem des Bruders stürzt sie vom brennenden Glockenturm. Fontane vereint düstere Atmosphäre mit psychologischer Stimmigkeit - er selbst bezeichnete die Erzählung als »Charakterbild«. Deutlich wird Gretes innere Zerrissenheit, ihr Schwanken zwischen Trotz und Weichheit: Produkt eines niemals erfüllten Liebesbedürfnisses. Die Erzählung fesselt mit einer an Storms Novellen erinnernden Intensität und gleicht einer ins Epische übertragenen Fontaneschen Ballade - tragisch, leuchtend, schicksalsschwer.
(Quelle: aus dem Taschenbuch)

Informationen zum Autor

Theodor Fontane (1819 – 1898):
Erzähler, Lyriker, Balladendichter, Kritiker und Journalist, gilt als der bedeutendste deutsche kritisch-realistische Romancier des 19.Jahrhunderts. Der Sohn eines in Neuruppin ansässigen Apothekers, der einer Hugenottenfamilie entstammte, absolvierte zunächst die Apothekerlehre. 1849 gab er den Apothekerberuf auf und wurde Zeitungskorrespondent, u.a. in London. Neben Reportagen schrieb er Feuilletons und Theaterkritiken. Verschiedene Reisen führten ihn außer nach England auch nach Schottland, Frankreich und Italien. Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 war er Kriegsberichterstatter und geriet in französische Gefangenschaft. In seinen relativ spät entstandenen großen epischen Werken – z.B. Schach von Wuthenow, Irrungen Wirrungen, Stine, Frau Jenny
Treibel, Effi Briest, Die Poggenpuhls, Der Stechlin, Mathilde Möhring – unterzieht er seine Zeit der kritischen Sichtung.
(Quelle: Bucheinband zu „Schach von Wuthenow“)

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